NOLE - Ein Kubanisch-Schweizerischer Künstler 

Sich der magischen Wirkung von NOLE’s Bildern zu entziehen, ist beinahe unmöglich. Unzählige Bilder hat der Künstler in den letzten Jahren angefertigt. Seien es die frühen Holzschnitte, die er noch während seiner Ausbildung an der Kunsthochschule in Kuba anfertigte und die teilweise beinahe surrealen Charakter haben, seien es die später entstandenen Tempera- und Acrylbilder, die in allen möglichen Formaten gehalten sind oder die Collagen, die teilweise auch mit den oben erwähnten Techniken vermischt werden: Immer ziehen uns die Kunstwerke in ihren Bann, laden uns ein, auf ihrer lebendigen Oberfläche zu verweilen, um nach erfolgter Schau sogleich in tiefere Schichten einzudringen und erst auf den zweiten Blick zu verstehen, was die gekonnten Handgriffe auf der Leinwand auf verlockende Weise versprechen. Sind die Pinselstriche noch so klar aufgetragen und mit grösster Perfektion auf die Leinwand gebracht, der Künstler verlangt von uns mehr als blosses Staunen über die fotorealistische Darstellung, obwohl dies doch bereits Grund genug wäre, um sich an seinen Werken zu laben. 

 

Denn betrachtet man die Bilder von NOLE, so fällt auf, dass die in schönster Farbenpracht gehaltenen und meisterhaft dargestellten Szenen häufig durch eine Störung oder eine Blockade behindert werden, die der Künstler zuweilen auf die Leinwand setzt. Das Dahinter versucht sich zu behaupten und nimmt gerade deshalb die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters in Anspruch. Hier wird bereits klar, dass NOLE nicht nur auf den Effekt abzielt, indem er sein handwerkliches Können dem Publikum präsentiert. Ist es hier eine Einkaufstasche, welche die Trägerin teilweise verdeckt, dort eine Mauer, die den dahinter liegenden Garten erahnen lässt oder ein Gully, der als Gitter den Abfall zurückbehält. Auch ein Fluss, der auf seinem Grund eine hineingeworfene Pfanne  oder ein Fahrrad beherbergt: Oft sind es neben politischen Parolen eben genau diese beinahe symbolhaften Elemente, die der Künstler in die Bilder hineinträgt und dem Betrachter aufzeigt.

 

Aufgewachsen in Kuba und bereits als Kind mit Zensur und Grenzen vertraut gemacht, kommen diese Themen nun in den Bildern NOLE’s wieder zum Ausdruck. Dies jedoch nie in laut anklagendem und aggressivem Ton, sondern mit einer Zartheit, die den Betrachter einlädt, mit den sensiblen Augen des Künstlers in dessen Welt einzutauchen und zusammen mit ihm seine Sicht auf die Dinge, aber auch seine persönliche Geschichte und die seiner Herkunft darin zu entdecken. Dies gelingt ihm durch die klare und ansprechende Bildsprache. 

 

Auch wenn die politische Situation NOLE’s Kindheit eindeutig geprägt hat, so ist die unberührte Natur, in der er aufgewachsen, ebenso Teil seiner Realität. Die voranschreitende Verschmutzung unseres Planeten ist deshalb auch in seinen Bildern Thema. Hier wird der Künstler sehr konkret, arbeitet mit Collagen und verstärkt mit dreidimensionalem Können auf eindrucksvolle Weise seine Aussagen. Immer jedoch findet sich ein Schalk, beinahe eine Leichtigkeit in seinen Bildern. Vielleicht ist es die politische Zensur seines Herkunftslandes, die wie ein Damoklesschwert über allem hängt, der nur mit Ironie begegnet werden kann und auf diese Weise Anklage erfährt. 

 

Des Künstlers Blick ist ebenso präzis wie sein Pinselstrich, der das Geschaute auf die Leinwand bringt und es ist offensichtlich, dass NOLE die Freude am Detail mit uns teilen möchte. Er selber sagt, dass er schon als Kind die Natur und seine Umgebung genau beobachtet hat. So lassen wir uns also gerne verführen von all den prächtigen Farben und Formen, die uns berauschen und in Staunen versetzen. Könnten wir all diese Details erkennen, erkennen wollen, würde es sich beim Bild um eine einfache Fotografie handeln? Die Antwort ist ein klares Nein. So finden wir feinste Härchen auf einer Frucht, die uns in die Hand gleiten will und deren saftiges Fleisch uns einlädt, davon zu kosten und bei den verdorrten Spitzen eines Grashalms sind wir versucht, noch weitere auf dem Bild zu entdecken. Benommen betrachten wir die Borke eines Zweigleins mit all seinen unzähligen Schattierungen. Das Talent von NOLE ist offensichtlich, aber simples Protzen ist seine Sache nicht. Vielmehr möchte der Künstler uns lehren, genau hinzusehen, und dies gelingt ihm entweder durch fotorealistische Präzision oder in dem er uns zwingt, aufgrund einer Störung, einer Linie, eines Textes oder einer Mauer den Blick hinter die Oberfläche zu werfen. 

 

In den letzten Jahren hat NOLE angefangen, auch mit Fotografie zu experimentieren und so sind wunderbare Fotoprints entstanden, die jedoch abweichen von seiner herkömmlichen Malerei. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich die meisten Fotografien mit Kuba auseinandersetzen und auf die soziale und wirtschaftliche Lage des Landes hinweisen. Hier sind es weniger Blockaden, die wir erst durchbrechen müssen, um auf tieferliegende Schichten zu treffen - die Fotoprints zeigen uns viel mehr Momente von Licht und Spiegelungen, die wiederum Fragen aufwerfen.

 

NOLE’s Kunst ist fast immer politisch, aber nie so, dass wir dabei ermüden. Es ist ein perfektes Zusammenwirken von klarer Ästhetik, Freude an Farbe und Form sowie dem Fingerzeig auf die Themen unserer Zeit, die auf die Ohnmacht des einzelnen Individuums hinweist. Durch das grosse Können, durch seine Kreativität und seine Inspiration ist es stets eine Freude, die Bilder von NOLE zu betrachten, so dass wir auch bei schweren Themen die Hoffnung nie ganz verlieren.  

 

Daniel Häsli, im August 2019